Starker Arbeitsmarkt in den USA: 172k neue Stellen stärken Konjunktur, zwingen Märkte zum Umdenken
US-Arbeitsmarkt zeigt überraschende Stabilität trotz Inflationsrisiken
Washington — Die US-Wirtschaft hat im Mai erneut mehr neue Stellen geschaffen als erwartet und damit die jüngsten Unsicherheiten am Arbeitsmarkt weiter zurückgedrängt. Laut dem Arbeitsministerium stieg die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätze um 172000, während die Arbeitslosenquote unverändert bei 4,3 Prozent blieb.
Die Daten deuten auf eine Stabilisierung hin: Es ist der dritte Monat in Folge mit einem Nettozuwachs an Beschäftigung, zudem wurden die März- und Aprilzahlen zusammen um 93000 Stellen nach oben revidiert. Analysten sprechen von einem klareren Trend hin zu festerer Beschäftigung.
Sektoren mit klaren Gewinnern und Verlierern
Besonders auffällig war der Sprung im Freizeit- und Gastgewerbe, das mit 70000 neu geschaffenen Jobs den stärksten monatlichen Zuwachs seit 2023 verzeichnete. Ökonominnen und Ökonomen führen einen Teil dieses Aufschwungs auf kurzfristige Effekte zurück, etwa Einstellungen im Vorfeld großer Sportereignisse. Auch der Gesundheitssektor blieb mit einem Plus von 35000 Arbeitsplätzen ein stabiler Jobmotor. Demgegenüber schrumpfte die Beschäftigung in den Finanzaktivitäten um 22000 Stellen, insbesondere in Versicherungen und im Geschäftsbankenbereich.
Löhne, Kaufkraft und geldpolitische Folgen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Jahresvergleich um 3,4 Prozent und liegen damit weiterhin hinter der Preisentwicklung zurück. Ökonominnen wie Dan North von Allianz Trade warnen, dass sich das Wachstum stark auf wohlhabendere Konsumentengruppen konzentriere, wodurch die Breite der Erholung begrenzt bleibe.
Die starken Arbeitsmarktdaten lösten an den Finanzmärkten eine Gegenreaktion aus: Aktien gaben nach, Renditen für US-Staatsanleihen kletterten. Marktteilnehmer rechnen nun damit, dass die US-Notenbank ihre Aufmerksamkeit verstärkt wieder der Inflationsbekämpfung zuwendet und Zinserhöhungen eher wahrscheinlicher werden.
Politik, Proteste und die Perspektive für die Fed
US-Präsident Donald Trump reagierte öffentlich mit Missfallen und schrieb in Sozialen Netzwerken, «stocks should go up, not down» und «Growth does not mean inflation!», und übte damit Druck auf die Zentralbank aus. Beobachter sehen die Aussagen als Teil der anhaltenden Spannungen zwischen Regierung und Notenbank, insbesondere da mit Kevin Warsh ein neuer Fed-Vorsitzender an der Spitze steht und sein erstes Zinsgremium bald tagt.
Vertreter der Federal Reserve bewerten die Lage vorsichtig. Cleveland Fed President Beth Hammack bezeichnete den Arbeitsmarkt als stabil, mahnte aber zugleich, die Inflationsentwicklung genau zu beobachten. Viele Ökonomen halten eine Zinsentscheidung bis Jahresende für möglich, sollte sich der robuste Trend fortsetzen.
Ausblick
Insgesamt vermittelt der Bericht das Bild einer Wirtschaft, die in zentralen Bereichen an Stärke gewinnt, zugleich jedoch vor der Herausforderung steht, Wachstum und Preisstabilität in Einklang zu bringen. Für Haushalte bleibt die reale Kaufkraft ein Problem, solange Lohnzuwächse hinter der Inflation zurückbleiben. Für die Märkte bedeutet das eine verstärkte Unsicherheit über den Zeitplan künftiger geldpolitischer Straffungen.