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Minijobs vor dem Aus: Vereine und Gaststätten in Schleswig-Holstein unter Druck

28. Juli 2026

Minijobs gefährden Angebot und Ehrenamt

Die von der Rentenkommission vorgeschlagene Umstellung geringfügig entlohnter Beschäftigungen auf sozialversicherungspflichtige Stellen löst in Schleswig-Holstein Besorgnis aus. Kleine Sportvereine, Saisonbetriebe und Gaststätten warnen vor steigenden Kosten, weniger Flexibilität und einem spürbaren Rückgang ehrenamtlicher Unterstützung.

Auf Fehmarn und in anderen Gemeinden des Landes sind Minijobber unübersehbar: Sie reinigen Vereinsheime, bedienen in Vereinsgaststätten, helfen bei Veranstaltungen oder springen in der Hochsaison in Ferienparks ein. Nach Angaben der Minijob-Zentrale arbeiten rund 230.000 Menschen in Schleswig-Holstein in einer geringfügigen Beschäftigung. Genau dieses Modell steht auf dem Prüfstand.

Was würde sich ändern?

  • Minijob heute: Verdienstgrenze 603 Euro im Monat; in der Regel keine Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung; pauschale Arbeitgeberbeiträge.
  • Sozialversicherungspflicht: Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen gemeinsam Beiträge in Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung; daraus resultieren höhere Absicherungen, etwa Anspruch auf Arbeitslosengeld und stärkere Rentenansprüche.

Die Rentenkommission empfiehlt, Minijobs grundsätzlich sozialversicherungspflichtig zu machen, Ausnahmen nur noch für Schülerinnen und Schüler vorzusehen. Begründet wird der Vorschlag mit dem Ziel, mehr Menschen Rentenansprüche zu ermöglichen und die Einnahmen der Sozialkassen zu stärken. Bislang handelt es sich aber nur um eine Empfehlung; ein Gesetzentwurf der Bundesregierung steht noch aus.

Direkte Folgen für Vereine

Kleine Sportvereine gelten als besonders verletzlich. Sven Navers, Vorsitzender des RSV Landkirchen, beschreibt die Situation so: «Gerade die Reinigungsarbeiten, die Unterstützung bei Veranstaltungen und die Hilfe in der Vereinsgaststätte laufen oft über Minijobber. Wir müssen dann gucken, ob wir das Angebot so halten können oder ob wir weiter runterfahren müssen.»

Als Reaktion auf steigende Personalkosten erwägen Vereine, Leistungen zu reduzieren oder Öffnungszeiten zu verkürzen. Der Präsident des Landessportverbandes warnt davor, dass die Attraktivität bezahlter Tätigkeiten im Verein sinken könnte, was sich negativ auf das Ehrenamt insgesamt auswirken würde.

Gastgewerbe und Saisonbetriebe

Für Hotels, Cafés und Freizeitparks ist die Flexibilität durch Minijobs ein zentraler Faktor. David Depenau, Geschäftsführer des Ferien- und Freizeitparks Weissenhäuser Strand, rechnet vor, dass bei einer Umstellung auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigung pro Kopf etwa 20 Prozent Mehrkosten entstehen könnten, wenn Arbeitgeber Nettoverluste der Beschäftigten durch höhere Bruttolöhne ausgleichen wollen. «Wir werden nicht alle der aktuell 80 Minijobber weiterhin so beschäftigen können», sagt Depenau.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hält Minijobs für ein funktionierendes Instrument, um Personallücken zu schließen, Öffnungszeiten zu sichern und saisonale Schwankungen abzufedern. Eine Einschränkung dieser Beschäftigungsform gefährde die wirtschaftliche Grundlage vieler kleiner Betriebe.

Blick nach vorn

Ob die Empfehlung der Rentenkommission Gesetz wird, ist offen. Zunächst müsste ein Gesetzentwurf erarbeitet und politisch beraten werden. Bis dahin rechnen viele Vereine und Betriebe damit, Szenarien für höhere Personalkosten und reduzierte Angebote durchzuspielen. Betroffene vor Ort fordern, dass Reformen praktikabel gestaltet werden und die Besonderheiten von Ehrenamt, Saisonarbeit und regionalen Betrieben berücksichtigt werden.

Solange die Debatte läuft, bleibt die Angst vor einem Stillstand bei lokalen Angeboten real: weniger Trainingszeiten, eingeschränkte Vereinscafés, kürzere Öffnungszeiten in Gastronomie und weniger spontane Hilfe bei Festen. Für viele Gemeinden würde das spürbare Lücken im Alltag bedeuten.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: ndr.de
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