Arbeitsmarkt am Wendepunkt: Mai-Jobsbericht droht Wachstum zu dämpfen
Konjunkturtest für den Arbeitsmarkt
Am Freitag veröffentlicht das Bureau of Labor Statistics den Mai-Jobsbericht, und die Erwartungen sind deutlich gedämpft. Ökonominnen und Ökonomen rechnen im Schnitt mit nur rund 80000 neu geschaffenen Stellen, ein spürbarer Rückgang gegenüber dem Mittelschnitt der Vormonate.
Die Bandbreite der Prognosen reicht von sehr moderaten Zuwächsen bis hin zu fast keiner Arbeitsplattschaffung. Goldman Sachs erwartet etwa 60000 Stellen, Vanguard prognostiziert lediglich 20000, während EY-Parthenon von 50000 ausgeht. Damit dürfte die Arbeitslosenquote in der Nähe des bisherigen Niveaus bleiben, die Konsenserwartung liegt bei 4,3 Prozent mit einer möglichen leichten Anhebung auf 4,4 Prozent bei einigen Schätzungen.
Mehrere Indikatoren deuten auf eine nachlassende Dynamik hin: Die Zahl der Kündigungen ist auf dem niedrigsten Stand seit 2020, gleichzeitig sind die angekündigten Entlassungen zuletzt gestiegen, darunter eine erhebliche Zahl an KI-bezogenen Stellenstreichungen. Ökonominnen beschreiben das Bild als «low-hire, low-fire» – wer einen Job hat, bleibt meist in ihm, Neueinstellungen erfolgen aber nur verhalten.
- Dow Jones Konsens: rund 80000 neu geschaffene Stellen
- Goldman Sachs: rund 60000
- Vanguard: rund 20000
- EY-Parthenon: rund 50000
- Erwartete Arbeitslosenquote: circa 4,3 bis 4,4 Prozent
Aus makroökonomischer Sicht könnte sich dadurch eine Phase der Stagnation einstellen: Wenn wenig Beschäftigungsverhältnisse enden und zugleich nur wenige neue Anstellungen folgen, bleibt der Arbeitsmarkt statisch. Die jüngsten Daten zu offenen Stellen zeigten zwar einen überraschenden Anstieg für April, doch die geringe Fluktuation dämpft die Arbeitsplatzdynamik.
Für die Geldpolitik ist ein Ergebnis nahe der Konsenserwartung vermutlich ausreichend, damit die Federal Reserve ihren aktuellen Leitzinskurs beibehält. Die Märkte sehen derzeit kaum Chancen für eine Zinssenkung oder -anhebung kurzfristig, die Wahrscheinlichkeit für Änderungen bleibt eher auf das kommende Jahr gerichtet, sollte die Inflation hartnäckig bleiben.
Auch Anlegerinnen und Beobachter in Deutschland verfolgen die Veröffentlichung aufmerksam. Deutschlandweit werden die Zahlen als wichtiger Indikator für die globale wirtschaftliche Entwicklung und die Aussichten an den Finanzmärkten gewertet.