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Aufstieg ohne Ausgleich: Frauen in Nordrhein-Westfalen arbeiten häufiger, profitieren aber weniger

05. März 2026

Mehr sozialversicherungspflichtige Stellen führen nicht zur Gleichstellung

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Nordrhein-Westfalen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Zwischen 2008 und 2024 nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter Frauen um fast ein Drittel zu und liegt heute bei rund 3,4 Millionen. Trotz dieses Zuwachses bleibt die tatsächliche Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt aus.

In Nordrhein-Westfalen arbeiten deutlich weniger Frauen im Verhältnis zur Gruppe der Männer: Während die Beschäftigungsquote bei Männern bei etwa 65 Prozent liegt, beträgt sie bei Frauen nur rund 56 Prozent. Zugleich verdienen Frauen im Schnitt immer noch spürbar weniger pro Arbeitsstunde. Nach Angaben eines wissenschaftlichen Datenreports für den Deutschen Gewerkschaftsbund belief sich der durchschnittliche Stundenlohn der Frauen im vergangenen Jahr auf rund 15 Prozent unter dem der Männer.

Die Zahlen zeigen zudem ein Paradox: Frauen sind häufig besser qualifiziert. Rund 59 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen verfügten zuletzt über einen anerkannten Berufsabschluss, bei den Männern waren es etwa 55 Prozent. Dennoch finden viele Frauen Arbeit in Berufen mit geringerem Anforderungsniveau. Ein Großteil der Teilzeit- und Minijobs in NRW ist weiblich dominiert: Gut 76 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitstellen und mehr als 59 Prozent der Minijobs entfallen auf Frauen.

Auch die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit zu Hause bleibt ein zentrales Hindernis für echte Chancengleichheit. Männer in NRW verbringen wöchentlich im Schnitt rund 20 Stunden mit Haushaltstätigkeiten und Betreuung von Angehörigen, bei Frauen sind es fast 30 Stunden. Die unveränderte Arbeitsteilung führt häufig dazu, dass Frauen in der Familienphase in eine langfristige Teilzeitfalle geraten, aus der ein beruflicher Aufstieg erschwert wird.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte anlässlich des bevorstehenden Internationalen Frauentags Maßnahmen von Bund, Land und Arbeitgebern. In Düsseldorf kritisierte die DGB-Vizevorsitzende Anke Unger, dass derzeitige Steuer- und Sozialregelungen klassische Hauptverdiener-Modelle begünstigten und verlangte stattdessen Anreize zur partnerschaftlichen Aufteilung familiärer Aufgaben: «Anstatt durch Minijobs, Ehegattensplitting und Steuerklasse V das klassische Hauptverdiener-Modell zu fördern, sollte der Staat Anreize für eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit setzen.»

Weitere Kritikpunkte des Datenreports betreffen die Verlässlichkeit der Kinderbetreuung. Während Kitas in Nordrhein-Westfalen pro Jahr an durchschnittlich 20,5 regulären Betreuungstagen geschlossen sind, liegt dieser Wert in anderen Ländern deutlich niedriger. Der DGB schlägt deshalb unter anderem die Abschaffung von Minijobs vor, die seiner Ansicht nach oft mit niedrigen Löhnen, fehlender sozialer Absicherung und geringen Weiterbildungschancen einhergehen.

Praktische Vorschläge zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf reichen von flexibleren Arbeitszeitmodellen über verkürzte Vollzeitmodelle mit 30 oder 32 Stunden bis hin zu betriebsinternen «Vereinbarkeitslotsen», die Beschäftigte und Führungskräfte beim Wandel der Unternehmenskultur unterstützen sollen.

Die Debatte macht deutlich, dass steigende Erwerbszahlen allein nicht ausreichen, um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen. Es braucht gezielte Politik und betriebliche Praxisänderungen, damit Frauen nicht nur häufiger, sondern auch fairer und mit gleichen Aufstiegschancen arbeiten können.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: lz.de

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