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Arbeitsmarkt in NRW: Zuwachs bei festen Jobs, doch Gleichstellung bleibt eine Baustelle

04. März 2026

Frauen profitieren von mehr sozialversicherungspflichtigen Stellen, echte Gleichstellung aber ist nicht erreicht

Düsseldorf. Zwischen 2008 und 2024 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Nordrhein-Westfalen um fast ein Drittel auf rund 3,4 Millionen. Trotz dieses Zuwachses zeigt ein wissenschaftlicher Datenreport für den Deutschen Gewerkschaftsbund deutliche Defizite bei Teilhabe, Bezahlung und Arbeitsbedingungen.

Der Bericht des Instituts Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen bilanziert: Frauen verdienen im Mittel etwa 15 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Während rund 59 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen über einen anerkannten Berufsabschluss verfügen, sind es bei den Männern knapp 55 Prozent. Dennoch arbeiten Frauen häufiger in Tätigkeiten mit geringerem Anforderungsniveau und geringerer Entlohnung.

Besonders auffällig ist die Verteilung von Teilzeit und Minijobs: Gut 76 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Teilzeitstellen und mehr als 59 Prozent der Minijobs in NRW entfallen auf Frauen. Parallel dazu bleibt die Sorgearbeit in privaten Haushalten ungleich verteilt: Männer leisten durchschnittlich rund 20 Stunden pro Woche für Haushalt und Betreuung, Frauen nahezu 30 Stunden.

Die Vizevorsitzende des DGB NRW, Anke Unger, forderte Bund, Land und Arbeitgeber auf, die Schieflage zu korrigieren. Sie kritisierte, dass steuerliche Modelle und Minijobs das klassische Hauptverdiener-Modell begünstigen, und forderte stattdessen Anreize für eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit. Unger verwies auf die schlechten Erfahrungen mit unzuverlässiger Kinderbetreuung: In NRW seien Kitas an durchschnittlich 20,5 regulären Betreuungstagen geschlossen, in Sachsen liege der Wert bei 7,5 Tagen.

Was der DGB als Lösung vorschlägt

  • Abschaffung von Minijobs, die häufig niedrige Löhne, fehlende soziale Absicherung und eingeschränkte Weiterbildungsmöglichkeiten bedeuten
  • Flexiblere Arbeitszeitmodelle, etwa verkürzte Vollzeitmodelle mit 30 oder 32 Stunden, die Familienphase und Erwerbsleben verbinden
  • Einführung von Vereinbarkeitslotsen in Betrieben und Verwaltungen, die Mitarbeitende bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beraten und die Unternehmenskultur verändern

Der Report zeigt damit ein zweigeteiltes Bild: Einerseits gewinnen mehr Frauen sichere, sozialversicherte Arbeitsverhältnisse, andererseits bleiben Lohnlücken, ungleiche Tätigkeitsverteilungen und eine hohe Belastung durch unbezahlte Arbeit bestehen. Für Gewerkschaften und Expertinnen ist klar, dass strukturelle Maßnahmen notwendig sind, damit der Beschäftigungszuwachs nicht weiter zu einer Verstärkung bestehender Ungleichheiten führt.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: mt.de

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