Werkstudentenjob gegen Bafög: Wenn der Freibetrag Berufserfahrung zur Kostenfalle macht
Werkstudentenjob kann Ausbildungsförderung schmälern und Berufserfahrung bremsen
In Deutschland stehen viele Studierende vor einem widersprüchlichen Dilemma: Mehr Stunden im Werkstudentenjob bringen wichtige fachliche Erfahrung, zugleich kann zusätzliches Einkommen dazu führen, dass die Bafög Zahlungen gekürzt oder ganz gestrichen werden. Für Berufseinsteiger kann das langfristig teurer werden als kurzfristige Mehrverdienste.
Der Freibetrag beim Bafög soll Bedürftigkeit berücksichtigen, wirkt in der Praxis aber oft als Bremse für engagierte Praxisphasen. Studierende berichten, dass sie ihre Arbeitszeit drosseln oder auf fachnahe Tätigkeiten verzichten müssen, weil eine Überschreitung des Freibetrags ihre Förderhöhe reduziert. Das verschiebt die Balance zwischen sofortigem Geldbedarf und langfristigem Karriereschub.
Die Folgen sind weitreichend: Wer aus finanziellen Gründen nur geringfügig arbeitet, sammelt weniger relevante Erfahrung, bleibt länger in prekären Einstiegspositionen und startet mit einem schwächeren Lebenslauf in den Arbeitsmarkt. Hochschulen und Unternehmen beklagen zugleich einen Mangel an Praxisbezug bei Absolventinnen und Absolventen.
Praktische Schritte für Studierende
- Die eigene Einkommenssituation frühzeitig mit dem zuständigen Bafög Amt klären und mögliche Freibeträge dokumentieren
- Arbeitszeit und Einnahmen genau planen, saisonale Mehrarbeit in Semesterferien prüfen
- Fachbezogene Tätigkeiten gegenüber reinen Minijobs priorisieren, aber mögliche Einkommenseffekte gegenrechnen
- Alternative Fördermöglichkeiten prüfen, etwa Stipendien, Studienkredite oder Programme der Hochschule zur Praxisförderung
Beratung ist entscheidend: Ein Gespräch mit dem Studierendenwerk oder der Bafög Stelle kann helfen, individuelle Lösungen zu finden und unbeabsichtigte Kürzungen zu vermeiden. Langfristig lohnt es sich, die Entscheidung nicht nur am kurzfristigen Kontoauszug zu messen, sondern auch an der Frage, wie sehr ein Job die beruflichen Perspektiven stärkt.
Für Politik und Verwaltung bleibt die Herausforderung, Regelungen zu schaffen, die Studierende nicht zwischen Ausbildung und Praxis wählen lassen, sondern beides sinnvoll ermöglichen.

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