Minijob-Reform: Warum Nebenverdiener und Gastronomie vor einer harten Entscheidung stehen
Minijob-Reform trifft Nebenverdiener und Gastronomie hart
Kathrin Schachel und Ronald K. stehen stellvertretend für viele, die mit einem Minijob ihr Haushaltsbudget aufbessern und zugleich flexible Arbeitszeiten brauchen. Die vorgeschlagenen Änderungen an der Minijob-Regelung würden für beide bedeuten, dass ihr zusätzlicher Verdienst deutlich weniger wert ist oder sich ganz nicht mehr lohnt.
Kathrin Schachel arbeitet 25 Stunden pro Woche als Schulassistentin und ergänzt ihr Einkommen seit Jahren mit Schichten im Restaurant Del Bosco im Hotel Munte am Stadtwald. Die 44-Jährige pendelt aus Schwanewede: «Hin und zurück sind das 60 Kilometer Arbeitsweg. Nur fürs Tanken würde ich nicht mehr nebenbei im Del Bosco arbeiten», sagt sie. Entscheidend ist für sie die zeitliche Flexibilität, die der Minijob bietet, um Familie, Haushalt und den Schichtdienst ihres Mannes zu organisieren.
Der 65-jährige Ronald K. ist frisch im Ruhestand, war fast vier Jahrzehnte im Polizeidienst und arbeitet weiterhin in der Hotellerie. Er möchte nicht mit vollem Namen genannt werden, betont aber klar: «Ich habe mein Leben lang neben dem Hauptjob immer wieder Minijobs gemacht, um bestimmte Ausgaben zu stemmen. Wenn nun höhere Sozialabgaben anfallen, bleibt am Ende zu wenig übrig.»
Branche fürchtet Verlust an Flexibilität
Detlef Pauls vom Hotel- und Gaststättengewerbe Dehoga Bremen unterstreicht die Bedeutung von Minijobs für die Personalplanung: Minijobber erlauben es, kurzfristig auf Nachfrageschwankungen, Saisonspitzen oder Veranstaltungen zu reagieren. In Betrieben mit geringen Margen sei zusätzlicher Personalaufwand kaum zu kompensieren, ohne dass die Preise für Gäste steigen.
Laut Minijob-Zentrale arbeiten bundesweit rund 6,56 Millionen Menschen in Minijobs im Gewerbe; im Gastgewerbe sind es etwa 880.000. In Bremen sind nach diesen Zahlen rund 60.000 Minijobber registriert. Die Kommission für Alterssicherung argumentiert, dass geringere Begünstigungen Minijobber stärker in die Sozialversicherung führen und Anreize zu vollzeitnaher Beschäftigung schaffen könnten. Betroffene sehen das anders: Viele Minijobber haben bereits einen Vollzeitjob und nutzen den Nebenverdienst allein zur Aufbesserung des Einkommens.
Reale Folgen für Haushalt und Betrieb
Finanziell erscheinen die Auswirkungen auf die spätere Rente vergleichsweise gering: Ein Jahr durchgängig mit 603 Euro Monatslohn in einem pauschal abgerechneten Minijob bringt nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung nur wenige Euro zusätzlich Rente. Für die Betroffenen geht es deshalb vorrangig um den unmittelbaren Nettogewinn. Wenn Arbeitgeber höhere Beiträge ausgleichen müssten, befürchten Beschäftigte wie Ronald K. und Kathrin Schachel sowie Branchenvertreter, dass dies entweder zu weniger Minijobs, zu geringeren Auszahlungsbeträgen oder zu höheren Preisen für Kunden führen wird.
Die Entscheidung, ob Minijobs in der bisherigen Form fortbestehen oder strenger reguliert werden, hat damit direkte Auswirkungen auf Millionen von Menschen und zahlreiche kleine und mittlere Betriebe in der Gastronomie. Für viele Betroffene ist die Frage schlicht: Lohnt sich der Nebenjob noch? Bremen